Von Tecklenburg nach Malta: Graf Otto I. und der Malteserorden

2022-09-22

Geschichte

Graf Otto I. von Tecklenburg und die Ritter, die später Malta regierten

Unser Ferienland im Tecklenburger Land und die sonnige Mittelmeerinsel Malta wirken wie zwei Welten – und doch verbindet sie ein roter Faden, der über 800 Jahre zurückreicht. Er beginnt nicht in Valletta, sondern hier bei uns im Norden.

Im Jahr 1245 schenkte Graf Otto I. von Tecklenburg einen Hof in Lage – heute Teil der Gemeinde Rieste, nördlich des Tecklenburger Landes – dem Johanniterorden, den Rittern vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem. Aus dieser Stiftung wuchs die Kommende Lage.

Vor 1260 ließen sich die Johanniter dort nieder; 1262 lebten zwölf Ordensleute in Lage. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Kommende zur größten Niederlassung der niederrheinisch-westfälischen Ballei auf – 1341 waren bereits 45 Ordensangehörige vor Ort – und galt neben Steinfurt als eine der bedeutendsten Ordensniederlassungen in ganz Nordwestdeutschland: wohlhabend, weitläufig begütert und Ziel einer Wallfahrt zum „Lager Kreuz“, einem 1315 geweihten Kruzifix.

Reichtum weckt Begehrlichkeiten: 1384 ließ der Osnabrücker Fürstbischof die Kommende überfallen und die Ritter vertreiben – ein Übergriff, der ihm den Kirchenbann einbrachte. 1395 erhielt der Orden Lage zurück und baute es wieder auf.

Von Lage nach Malta: das achtspitzige Kreuz

Derselbe Orden, der die Felder von Lage bestellte, sollte Weltgeschichte schreiben. Nachdem die Johanniter 1522 Rhodos verloren hatten, überließ ihnen Kaiser Karl V. 1530 die Insel Malta. Dort regierten sie bis 1798, als Napoleon sie vertrieb – und wurden weltweit bekannt als Souveräner Malteserorden. Ihr Zeichen: das achtspitzige Kreuz, das heute jeder als Malteserkreuz kennt.

Das weiße Kreuz, das über Valletta weht, ist also dasselbe Symbol, das die Ritter einst in der Erde von Lage verankerten. Und dieses Erbe ist bis heute sichtbar: Das Wappen der Gemeinde Rieste zeigt seit 1959 das silberne Torhaus der Kommende, gekrönt vom achtspitzigen Johanniterkreuz.

Auch der Glaube blieb lebendig. Die Wallfahrt nach Lage besteht seit rund 800 Jahren: Bei der Kreuztracht tragen Pilger ein altes, rund 135 Kilogramm schweres Kreuz um die Wallfahrtskirche St. Johannes der Täufer. Die Kommende bestand als Ordenshaus bis 1810; ihre denkmalgeschützten Gebäude aus dem 17. Jahrhundert liegen malerisch von Gräften umgeben an einem Arm der Hase.

Von unseren Ferienwohnungen in Brochterbeck ist es nur rund 45 Autominuten nach Norden bis Rieste-Lage – gut zu verbinden mit einem Ausflug an den Alfsee. Ob es Sie in die stillen Hügel des Tecklenburger Landes zieht oder an die sonnige Küste Maltas: Sie folgen einem Weg, den die Ritter des heiligen Johannes längst vor Ihnen gegangen sind.

Zwei Säulen des Ordens: Lage und Steinfurt

Lage stand nicht allein. Rund 60 Kilometer südwestlich, in Steinfurt, hatten die Edelherren von Steinfurt schon im 12. Jahrhundert – also deutlich vor Graf Ottos Stiftung – die Johanniterkommende Steinfurt gegründet. Beide wurden zu den reichsten und mächtigsten Ordensniederlassungen der Region, beide überdauerten die Reformation als katholische Inseln, und beide wurden in der napoleonischen Zeit säkularisiert – Lage 1810, Steinfurt 1811.

Verwaltet wurden die Häuser in Bezirken, den Balleien. Lage wie Steinfurt gehörten zur Ballei Westfalen. Ein bemerkenswerter Gleichklang: 1341 zählten beide Kommenden exakt 45 Ordensangehörige. Und doch war Steinfurt das Haupthaus: Seit etwa 1400 war der Komtur von Steinfurt zugleich Leiter der Ballei Westfalen – die Ritter auf Graf Ottos Land in Lage waren der Führung in Steinfurt also unterstellt. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg wanderte der Sitz der Ballei nach Münster.

Ein Stammbaum: das Haus Bentheim verbindet beide

Am Ende waren auch die Stifterfamilien der beiden großen Kommenden eine einzige Verwandtschaft. Als Graf Otto I. von Tecklenburg 1263 starb, erlosch seine männliche Linie. Über seine Tochter Heilwig, die Otto II. von Bentheim-Tecklenburg geheiratet hatte, fiel die Grafschaft Tecklenburg an das Haus Bentheim.

Auch die Herrschaft Steinfurt gelangte später an dieses Haus. So spaltete sich das Geschlecht in zwei eng verwandte Linien: Bentheim-Tecklenburg und Bentheim-Steinfurt – nach 1816 fiel sogar der Besitz der Steinfurter Kommende an das Haus Bentheim-Steinfurt. Die Familien, die über Jahrhunderte beide Johanniterhäuser prägten, waren damit Zweige desselben Stammbaums, der bis auf Graf Otto I. zurückreicht. Von den Feldern des Tecklenburger Landes bis zu den Bastionen von Malta trugen sie dasselbe achtspitzige Kreuz.

Die Wallbrücke in Brochterbeck: ein Freistuhl und der Vertrag von 1236

Die Verbindung nach Malta beginnt nicht irgendwo weit weg – sie beginnt wenige Gehminuten von unserer Ferienwohnung entfernt, an der Wallbrücke in Brochterbeck. Hier befand sich im Mittelalter ein Freistuhl, ein öffentlicher Gerichtsplatz unter freiem Himmel, an dem Recht gesprochen und Streitfälle beigelegt wurden.

Im Jahr 1236 wurde genau an der Wallbrücke ein Vertrag zwischen der Grafschaft Tecklenburg und dem Bistum Osnabrück geschlossen und beschworen. Er beendete den zähen Streit um die Einkünfte und Privilegien der Osnabrücker Kirchvogtei, der Graf Otto I. teuer zu stehen gekommen war. Zu den Ministerialen, die den Vertrag beschworen, gehörte Konrad I. von Brochterbeck.

Und hier schließt sich der Kreis: Es ist derselbe Graf Otto I. von Tecklenburg. Nur neun Jahre nachdem er an der Wallbrücke seinen Frieden mit Osnabrück gemacht hatte, stiftete er 1245 seine Güter dem Johanniterorden und begründete die Kommende Lage (siehe oben). Die kleine Brücke in Brochterbeck und die Ritter, die später Malta regierten, sind so zwei Kapitel derselben Geschichte – nur ein Jahrzehnt und ein paar Kilometer voneinander entfernt.

Heute ist die Wallbrücke ein stiller Ort am Ortsrand – ein lohnender kurzer Abstecher bei einem Aufenthalt in unserer Ferienwohnung in Brochterbeck.

Übrigens: Es gibt auch die Geschichte des Brochterbecker Teenagers, der diese Brücke einst vor dem Abriss rettete – weil er ein Faxgerät ausprobieren wollte. Aber das ist ein eigener Blogbeitrag …

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